Margot & Rainer Binder: Beschreibungen und Grundlagen des MARA-Denkmodells
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Bewußtseinstufen

Diese Ausführungen sind den Ausbildungsunterlagen zum BPS Therapeuten (BPS-BioPsychoSymmetrie) entnommen.

Im MARA-Denkmodell verwenden wir den Begriff Bewusstseinstufen für mit dem Elektroenzephalogramm gemessene „Potentialschwankungen des Gehirns“, auch EEG genannt. Anhand der „Bewusstseinstufen“ lassen sich viele Vorgänge deutlich machen, zu denen sonst der Zugang schwieriger wäre. Wie das MARA-Denkmodell, so sind auch die Aussagen des EEG und die Bewusstseinstufen ein Denkmodell. In naturwissenschaftlichen Disziplinen wird anstelle des Ausdruckes „Denkmodell“ der Begriff „Arbeitshypothese“ verwendet. Denkmodelle oder Hypothesen sind immer Hilfsmittel des „reduktionistischen“ Denkens um Daten und Fakten besser verstehen und beurteilen zu können.

Zur Messung des Elektroenzephalogramms werden an der Kopfhaut Ableitungspunkte an einen Linienschreiber angeschlossen. Die „Potentialschwankungen der Hirnrinde“ im Bereich der Schädeldecke werden von der Kopfhaut abgeleitet. Die Bezugselektrode ist am rechten Ohr befestigt. Also die „Potentialschwankungen“ werden zwischen Ohr und Ableitungspunkten gemessen. Die Begriffe wie „Potentialschwankungen“ oder „Schwingung“ usw. werden in Anführungszeichen geschrieben, denn um die wirklichen Gehirnströme messen zu können müssten in den verschiedenen Gehirnregionen Gold- oder Wolframdrähte eingeführt werden. Die beim Elektroenzephalogramm gemessenen Spannungen in mV müssen nicht genau den Spannungsunterschieden im Gehirn entsprechen. Zwischen dem Gehirn und den Messpunkten am Kopf ist zuerst die Gehirnhaut, dann die Gehirnflüssigkeit, dann die Innenhaut der Gehirnschale so deren Außenhaut. In der Medizin hat man sich darauf geeinigt, dass die mit den klassischen EEG gemessenen Werte als elektrische Potentialschwankungen bezeichnet und zur Diagnose verwendet werden.

Beta-Stufe

Die Beta-Stufe ist die Bezeichnung für elektrische Potentialschwankungen, die mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen werden. Die Beta-Stufe hat dabei eine „Schwingung“ (Gehirnfrequenz ) von 14-30 Hz bei einer Spannung von 50 yV.

Diese Stufe zeichnet sich aus durch ein nach außen gerichtetes Bewusstsein. Das logisch rationale Denken, auch digitales Denken genannt, ist auf der Beta-Stufe gut möglich.

Alpha-Stufe

Die Potentialschwankungen „schwingen“ in einer Frequenz von 8-13 Hz bei einer Spannung von 100 yV.

Diese Stufe zeichnet sich aus durch ein sog. inneres Bewusstsein, Halbschlaf mit Träumen (Tagträumen), optimales Gedächtnis und Erinnerung, schöpferische Ideen, durch einen entspannten und zentrierter Zustand.

Bei der Alpha-Stufe ist die rechte Hemisphäre aktiv. Kinder bis zum Alter von ca. 10 Jahren können sich über lange Zeit in der Alphastufe befinden. Bei erwachsenen Menschen ist jedoch die Alphastufe meistens in einer Art Pendelbewegung mit der Betastufe. Praktisch bedeutet das, dass das sog. Tagträumen sich mit dem hellen Wachbewusstsein mischt. Dadurch wird es möglich, die intuitiven Anteile ungeschmälert in das Wachbewusstsein zu bringen und zu verarbeiten. Auch hier sei nochmals darauf hingewiesen, dass C.G. Jung die Intuition als eine objektive Information bezeichnet. Das, was in diesem Falle unter Intuition verstanden wird ist, dass wir auf dieser Stufe Zugang haben zum persönlich Nichtbewussten und auch zu dem kollektiv Unbewussten.

Im MARA-Denkmodell spielt das sog. Holistische System eine wichtige Rolle. Nach dem MARA-Denkmodell können Informationen auf der Alphastufe aus dem holistischen System abgerufen werden. Auch das Denken „fließt“ über diese Stufe in das holistische System ein.

Theta-Stufe

Die Theta-Stufe ist die Stufe des Schlafes, der Erholung der im Wachzustand verbrauchten vitalen Kräfte. Bei der Theta-Stufe ist ausschließlich die rechte Hemisphäre aktiv. Diese Stufe wird auch als Traumstufe bezeichnet. Jeder Mensch durchläuft Mensch in der Nacht 4-5 mal diese Stufe. Das Träumen wird durch den REM-Schlaf (rapid eye movements) im EEG und auch äußerlich sichtbar. Beim Einsetzen der REM-Phase bewegen sich die „Augäpfel“ unter den Augenlidern. Dieselbe Erscheinung kann entstehen, sobald ein Mensch bei geschlossenen Augen einen Wachtraum erlebt. Schlaf ist, wie das EEG zeigt, nicht einfach ein Ruhen des Gehirns, sondern eine vom Wachsein unterschiedliche Organisationsform des Gehirns.

Delta-Stufe

Die Delta-Stufe mit einer Frequenz von 0,5-3 Hz bei 200 mV Spannung ist die Stufe des tiefen Schlafes mit grundlegender Regeneration von Körper und Gehirn. Diese Stufe zeichnet sich dadurch aus, dass ausschließlich die rechte Hemisphäre aktiv ist. Auf dieser Stufe erlebt der Schläfer keine Träume. Nach der anthroposophischen Philosophie verlässt auf dieser Stufe die Seele den Körper, um an anderen Orten Erfahrungen zu machen und Kontakte aufzunehmen. Nach dem Wiedereintritt soll die Seele tagsüber diese Kontakte realisieren.

Info:

Die Ströme, die angeblich im Gehirn „fließen“, werden mit dem Elektroenzephalogramm gemessen. Die Kurzbezeichnung dafür ist EEG. Ich habe bei der Bezeichnung „Gehirnströme“ meine Bedenken. Gehirnströme könnten nur dann präzise gemessen werden, wenn in das Gehirn elektrisch leitende Sonden gesetzt würden. Die Messung der sog. „Gehirnströme“, der „Potentialschwankungen“ auf der Hautoberfläche muss zwangsläufig zu einer Messung führen, die schwerlich als „Gehirnstrommessung“ bezeichnet werden kann. Bedenken wir, dass die Bezugselektrode für die Messpunkte das Ohr ist und an verschiedenen Punkten der Kopfhaut gemessen wird, dann ist es ohne weiteres möglich, dass Ströme bzw. Spannungsunterschiede auf der Hautoberfläche gemessen werden, die mit der Gehirntätigkeit wenig zu tun haben. Das Gehirn ist von Gehirnhaut umschlossen. Zwischen Hirnhaut und Schädelbein ist die Innenhaut und deren Zwischenraum ist mit Flüssigkeit gefüllt. Auf der Außenseite des Schädelbeins ist die äußere Kopfhaut, auf der die sogenannten Gehirnströme gemessen werden. Was immer auch für Ströme mit dem EEG gemessen werden, die sogenannten Wellen im EEG werden eingestuft in Beta-Alpha-Theta und Delta Wellen. Auf diese Bezeichnung haben sich Schulmediziner geeinigt und deswegen werden die „Potentialschwankungen“ der Spannungen an den verschiedenen Ableitungspunkten also mit den Begriffen Beta-Alpha usw. bezeichnet. Kiesker und Freyenberger berichten in Ihrem Buch-Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie auf Seite 261 dazu:

Die „Hirnstromkurve“ mit den größten Amplituden ist die der Alphawellen. Der sogenannte Alpha-Rhythmus ist typisch für die Gehirntätigkeit eines Individuums in Ruhe und bei geschlossenen Augen. Er ist ziemlich langsam mit einer Frequenz von nur etwa 10 Hz (neuerdings wurde die „Alphafrequenz“ auf 7-14 Hz festgelegt). Berger (Psychologe und Neurologe, Entdecker des EEG) glaubte, diese Ströme würden vom ganzen Hirn ausgesandt. Adrian und sein Mitarbeiter Matthews konnten jedoch zeigen, dass die Alphawellen aus den optischen Projektionsfeldern im Hinterhauptlappen stammen. Heute ist man der Ansicht, dass die Alpha-Wellen im wesentlichen aus dem Bereich des Scheitel-Hinterhauptlappens herrühren die Alpha-Frequenz hat dabei eine Spannung von 100 mV.

Wahrnehmungsumfang

Vorab sei zuerst beschrieben was wir im MARA-Denkmodell unter Wahrnehmung verstehen. Alles was durch Wahrnehmungsorgane aufgenommen wird sind Wahrnehmungen. Sie unterscheiden sich deutlich von dem was in unser Bewusstsein kommt. Was uns bewusst wird, ist nur ein verschwindend kleiner Teil aller Wahrnehmungen. K. F. Peters beschreibt das in seinem Buch „Einführung in die Psychosomatik“ so: „Jeder Mensch nimmt Tag und Nacht Billionen Bits Informationen auf. und nur ein verschwindend geringer Teil wird ihm bewusst.“

Wir sollten uns vorstellen, dass die meisten Wahrnehmungsorgane Tag und Nacht Informationen aufnehmen. So zum Beispiel die Rezeptoren für die Temperatur, Geräusche und Töne. Das Riechorgan erfasst alle Gerüche ohne Unterbrechung bei Tag und Nacht. Das einzige Wahrnehmungsorgan, das wir in der Nacht „abstellen“ können, sind durch das Schließen der Lieder, die Augen. Aus dieser unübersehbaren Menge von Daten werden Daten ausgefiltert.

Es werden also nur die wichtigen (interessanten) Informationen für das Bewusstsein ausgewählt. Die Auswahlkriterien bezeichnen wir im MARA-Denkmodell als „innere Struktur“.

Bildlich übertragen heißt das, der Wahrnehmungsumfang entspricht einem Kubikmeter = 1.000.000.000 Kubikmillimeter. Der Umfang, der in das Bewusstsein kommt, ist im Verhältnis dazu 100 Kubikmillimeter. Im »Physiologischen Atlas«, einem der Lehrbücher der Medizinstudenten, beschreiben die Autoren das so:

„Mit den Sinnesorganen nehmen wir aus der Umwelt sehr viele Informationen (10/9 bit/s) auf; doch wird uns nur ein sehr kleiner Teil davon (10/1 -10/2 bit/s) bewusst; der Rest wird unterbewusst verarbeitet oder gar nicht verwendet. Es werden also wichtige (interessante) Informationen für das Bewusstsein ausgewählt, was beim Lauschen und Spähen besonders stark zum Ausdruck kommt.

Bit (engl.: binary digit) ist ein Maß für den Informationsinhalt, bits also ein Maß für den Informationsfluss. (Ein Buchstabe hat ca. 4.5 bits) eine Buchseite ca. 1000 bit; liest man sie in 20 Sekunden, nimmt man 1000/20 = 50 bit/s auf: Ein Fernsehbild überträgt - mehr als 10 bit/s.). Reize treffen in unterschiedlichen Energieformen auf den Körper (elektromagnetische Energie bei Sehreizen, mechanische Energie beim Tasten usw.. Für sie gibt es spezifische Rezeptoren (Sensoren), die entweder zu Sinnesorganen (Auge-Ohr) zusammengefasst oder über die Körperoberfläche (Hautrezeptoren) oder im Körperinneren (Druckrezeptoren etc.) verstreut sind. Umgekehrt hat jede Sinneszelle ihren adäquaten Reiz, der jeweils spezifische sensorische Eindrücke (Modalitäten) hervorruft, innerhalb derer oft verschiedene Qualitäten des Reizes unterschieden werden können (z.B. Stärke und Frequenz des Schalls; bei der Reizaufnahme ‘wählt’ sozusagen der Rezeptor aus den Informationen der Umwelt jeweils die für ihn geeigneten ‘aus’, die Druckrezeptoren der Haut z.B. Informationen über das Ausmaß des Druckes. Im Rezeptor verändert der Reiz die Membraneigenschaften der Rezeptorzelle (Transduktion), was dort wiederum zur Entstehung eines Rezeptor- (Generator-Sensor-) Potenzials führt: Je stärker der Reiz desto höher das Rezeptorpotenzial. Erreicht dieses einen bestimmten Schwellenwert, kommt es zur Auslösung eines in der Nervenfaser weitergeleiteten Aktionspotenzials).“ »Taschenatlas der Physiologie« Silbernagel/A. Despoppulus, Seite 274)

Ein interessanter Hinweis ist, dass nach der Anthroposophischen Philosophie beim Eintritt in die Delta-Stufe die Seele den Körper verlässt um an anderen Orten Erfahrungen zu machen und Kontakte aufzunehmen. Die Delta Stufe mit einer Frequenz von 0,5-3 Hz bei 200 yV Spannung ist dann die Stufe des tiefen Schlafes mit grundlegender Regeneration von Körper und Gehirn.


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