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So Ebbes
lässt eine Erinnerung in mir aufsteigen, die sehr ungewöhnlich
ist und mir bei vielen Vorträgen, die ich über Kunst gehalten
habe, sehr geholfen hat. Es war 1962. Der außergewöhnlich
schlaue Logiker war der Maurer und Gemeinderat Hägele. Was war
geschehen? Die Architekten Wieland und Röhm waren mit den Planungen
für die » Volksschule Eutendorf« fertig und suchten
einen Künstler der die zur Straßenseite zeigende Außenwand
gestalten sollte.
Da für die Gemeinderäte die Entwürfe relativ abstrakt
waren, setzte eine Diskussion ein die immer heftiger wurde. Die Skulpturen
wurden interpretiert vom Pfarrer mit der Bibel, der die Leviten liest
bis zum Till Eulespiegel der Dir den Spiegel vorhält
und dann noch mit dem Prügel zuschlägt (rechte Figur). Die
Sitzung wurde sehr lang und laut. Mitten in die Streiterei stand Gemeinderat
Hägele auf und sagte Folgendes: (Die Namen, die ich jetzt nenne
sind erfunden, weil ich sie nicht behalten habe):
Also wenn der Karle das sieht, was er gerade braucht und der Emil
den Spiegel vorgehalten kriegt, und so jeder das darin sieht, was für
ihn wichtig ist, dann hat das mit Kunst zu tun.
Weil nämlich auch unsere Kinder in zwanzig Jahren noch das darin
sehen werden, was sie brauchen, muss das an unsere Schule.
Bei der Abstimmung wurde dann für diese Skulpturen gestimmt und
ich erhielt den Auftrag.
Ich habe nie eine bessere Definition dessen, was Kunst ist, gehört.
In meinen Vorträgen über Kunst und Gestaltung nimmt Herr Hägele
bis zum heutigen Tag einen Ehrenplatz bei mir ein.
Für mich ist interessant wie der Bürgermeister die Lehrer
einstuft und damit auch Auskunft über sein Interesse an Kultur
gibt.
Rainer Binder Ottendorf
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