Margot & Rainer Binder: Beschreibungen und Grundlagen des MARA-Denkmodells
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Polaritäten und Weltsicht

An der Schwelle zu einer Zeit, in der ein Paradigmenwechsel notwendig ist, kann es wichtig sein, grundlegende Funktionen unseres Daseins zu beleuchten. Um die weitreichenden Zusammenhänge dieser Veränderungen im Ansatz verstehen zu können, ist es mir wichtig, auf die Funktion der Polaritäten einzugehen.

Gravierende Einflüsse kommen auch aus der „Weltsicht“ der Menschen.

Ich nehme als Beispiel die westliche Welt. Zugang zum „tiefen Wissen“ der östlichen Welt muss mir, wie den meisten Menschen, verwehrt bleiben. Das ist in den zweitausend Jahren christlicher Kultur begründet die mein Unbewusstes genauso wie mein Bewusstsein prägte.

Es gibt eine spirituell-mystische Erfahrung, die 1702 durch Serigenitos das erste Mal beschrieben wurde. Er beschreibt, dass das Universum und damit die gesamte Schöpfung in Form von polaren Gegensätzen aufgebaut ist. Die fundamentalen Polaritäten zeigen sich auch in der Physik. Durch Einstein wurde die äußere Raumzeit, der Weltraum und die innere Raumzeit definiert. Der Nobelpreisträger Jean E. Charon beschriebt, im Frühjahr 1973 die komplexe Raumzeit, damit hob er die Aussagen von Albert Einstein auf. Die komplexe Raumzeit ist nach Charon die Polarität zu Geist.

Eine weitere Polarität ist Energie und Materie. Genauso existiert zu jedem Teilchen ein Antiteilchen und zum Elektron ein Positron.

Die Eigenart der Polarität zeigt sich darin, dass die enge Koppelung auch im energetischen Bereich nachweisbar ist. So kommt es, dass sobald eine Seite der Polarität einen Energiezufluss hat, die Gegenseite genauso Energie erhält. Anders gesagt, beide Seiten der Polarität haben dasselbe Energiepotenzial.

Das positive Denken und das „ungehemmte Friedensdenken“ wurden einseitig in Europa und den USA durch die Lehre des New Age und der »Instant Exoterik« gefördert. „Dadurch hat sich der Abstand zu den ‘Realitäten’ des Alltags vergrößert.“ Die Gegenpolarität, Krieg, Kampf, Terrorismus ist in dem selbem Umfang gewachsen. Vielleicht ist die momentane Situation nur das Einpendeln in ein Gleichgewicht der polaren Kräfte.

Noch ein Beispiel, das speziell im Denken der Christlichen Kirche und ihrer Anhänger verbreitet ist. In der Zwischenzeit sind nach einer Treysit Studie 23% aller Befragten in der BRD davon überzeugt, dass der Teufel existiert: („Ich glaube, dass es einen Teufel gibt“). 14% hielten es für möglich, dass ein Pakt mit ihm möglich ist. 9% haben angeblich Angst vor ihm.

Nach biblischer Beschreibung geleitete Gott sein Volk durch das Rote Meer. In dieser Zeit vollzog sich eine Wandlung im Gottesbild. Ab dieser Zeit war Gott nur noch gütig und barmherzig. Gott wird zur Lichtgestalt. Jetzt sind Himmel und die Erde von seiner Liebe und Vergebung erfüllt.

Parallel dazu entsteht die Gegenpolarität, die C.G. Jung Schatten nennt. George Bush hat für den Teufel sogar einen Namen: Osama bin Laden.

Die Polarität zeigt sich in der heutigen Zeit auf der einen Seite als Rückzug aus den ethisch-moralischen Verpflichtungen in einen »Egokosmos«, also eine Egozentrik. Es ist gleichzeitig der bewusste Rückzug aus dem uraltes Gesetz der Natur. Der Mensch ist ein Wesen das auf Kommunikation und Gemeinschaft angelegt ist.

Das Wissen der Quantenphysik, dass alles untrennbar miteinander verbunden ist besagt genau dasselbe.

Die Gegenpolarität dazu ist der Wunsch nach der Zugehörigkeit zu Gruppen, also z.B. Sekten und anderem außerkirchlichen Gemeinschaften, esoterischen Kreisen und hierarchisch streng geordneten Betriebssystemen.

Das Epa-Institut hatte 1994 eine umfangreiche Befragung bei Mitarbeitern von Betrieben mit über eintausend Beschäftigten vorgenommen, um herauszubekommen in welchem Umfang die Beschäftigten sich an ihrem Arbeitsplatz „wohl“ fühlten. Die Untersuchung wurde zu einem Zeitpunkt vorgenommen, wo der Anpassungsdruck durch Beschäftigungsmangel noch relativ klein war.

Ergebnis:
Ich fühle mich sicher 76,5%
Ich fühle mich wohl 59%

Bedenken wir jedoch, dass nur ca. 0,1% aller Beschäftigten in „hohen“ und 12% in „mittleren“ Positionen beschäftigt sind, so bedeutet das, dass die vorgenannte Statistik eine Auskunft über den Durchnittsverdiener gibt.

Ähnliche Angaben veröffentlicht auch das Schweizer Institut für angew. Soziologie Zürich.

Walter Häuße befragte Mitglieder von Vereinen und Sekten. Seine Ergebnisse wichen nur um ca. 1,5% von denen vom Epa-Institut ab.

Befragt wurden in diesen Untersuchungen je 700 Personen.

Um diese Polaritäten einigermaßen zu überwinden, ist eine »neue Sicht des Menschen und der Welt« unumgänglich. Die „andere Sicht“ kann nach meiner Auffassung nur darin bestehen, beiden Seiten der Polarität möglichst ohne emotionale Projektionen zu begegnen. C.G. Jung spricht von: „Schonungsloser Innenschau, mutige Reise in den Schatten und Rücknahme der Projektionen (Verteufelungen)“. Das ermöglicht den Weg zu einer neuen Weltsicht, die mehr von Objektivität geprägt ist als von emotionellen Projektionen des Wunschdenkens.


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