Margot & Rainer Binder: Beschreibungen und Grundlagen des MARA-Denkmodells
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Reinkarnation

Vorbemerkungen und Gedanken zu dem Thema Reinkarnation

Zuerst etwas zur Funktion der „Erschaffung von Wirklichkeiten“ durch den menschlichen Geist.

Am Beispiel Gott lässt sich dieser Vorgang trefflich darstellen.

Meister Eckard spricht von der Gottesgeburt als einem öfters sich wiederholenden Vorgang.

K.H. Denzinger sagte dazu 1958:

„Wenden wir uns einer Idee oder einem Gegenstand zu, dann übertragen wir scheinbar gedankliche Energie auf dieses Objekt. Zu irgend einem Zeitpunkt haben wir dieses Objekt so stark in den Mittelpunkt gerückt, dass es für den, der projizierte, Realität wird und handelnd in das Geschehen eingreift und dadurch ihn beherrschen kann.“

C.G. Jung schreibt in seinen PSYCHOLOGISCHEN TYPEN: „Bei Lipps ist Einfühlung die »Objektivierung meiner in einem von mir unterschiedenen Gegenstande, gleichgültig ob das Objektivierende den Namen eines Gefühles verdient oder nicht«.

Indem ich einen Gegenstand apperzipiere, erlebe ich, als von ihm herkommend, oder in ihm als apperzeptiertem, liegend, einen Antrieb zu einer bestimmten Weise des inneren Verhaltens. Diese erscheint als durch ihn gegeben, mir von ihm mitgeteilt.“

In seinem Buch JONAS beschreibt C.G. Jung, dass jeder Mensch seinen persönlichen Gott erschafft und kein monotheistischer Gott existiert.

Die Aussagen von Max Planck und C.G. Jung, J.W.v. Goethe sind also deckungsgleich.

Der Quantenphysiker Prof. H.P. Dürr sagt zum Thema Realität: „Die Karte wird erst in dem Moment bedruckt, in dem ich sie aufdecke.“

An einer anderen Stelle: „jedem Augenblick muss die Welt neu geschaffen werden, allerdings mit der Vorlage der alten Welt.“

Oder in einem Vortrag vor Biologen: „Wir sind alle Schöpfer der Wirklichkeit.“

Das heißt übertragen auf das Denken des Menschen, wir drehen die Karte und bedrucken sie gleichzeitig, Moment für Moment. Anders gesagt, wir erschaffen Moment für Moment durch unsere Gedanken unsere Wirklichkeit in einem bestimmten, determiniertem Rahmen.

Darin sehe ich eine enorme Freiheit des Menschen, denn wie Dürr an anderer Stelle sagt: Im Klartext heißt das, dass wir die freie Entscheidung haben, wie wir unsere Realität gestalten, also nicht nur im „Strom fremder Beeinflussungen schwimmen müssen“.

Alle Denkmodelle, gleichgültig ob sie Astrologie, Reinkarnation, Reiki oder Chi Gong heißen, sie funktionieren mehr oder weniger gut. Der Mensch der durch seine Projektionen diesen Denkmodellen die Kompetenz gibt, und sie dadurch zum Leitmotiv für die Lebensbewältigung erhebt, können im Alltagsleben dadurch erfolgreich sein.

Auch die BPS-Methode, mit der wir arbeiten und die wir entwickelt haben, hat über diese Funktion ihren Erfolg.

Vorgedanken zu dem MARA-Beitrag Reinkarnation

In unserer Praxis begegnen wir immer wieder Menschen, welche angeben, relativ genaue Kenntnisse über frühere Reinkarnationen zu haben.

Bei Fragen, wie diese Menschen an diese Informationen gekommen sind, erfahren wir oft von abenteuerlich anmutenden Techniken, mit denen es angeblich möglich ist, über „frühere Leben“ sichere Informationen zu erhalten.

Die Angaben, die Klienten über ihre Reinkarnationen haben, werden von ihnen oft als „Schlupfloch“ verwendet, um bei unangenehmen Konfrontationen mit Realsituationen im Alltag „entwischen“ zu können.

Es gibt heute Seminare, bei denen die Seminarbesucher innerhalb von 3 Tagen lernen, in angeblich „frühere Leben hineinzusehen“, um dann „Beratungen“ machen zu können.

Der folgende Beitrag ist mit dem Gedanken entstanden, vorsichtiger mit Informationen umgehen zu können, die möglicherweise aus einem früheren Leben stammen.

Wichtig erscheint mir, dass wir unterscheiden zwischen dem Kulturgut aus dem Raum Indien, dem klassischen Land des Reinkarnationsglaubens, und dem christlichen Kulturgut. Im Einflussbereich der christlichen Kirchen ist die Inkarnation ein zentrales Dogma.

„Inkarnation bedeutet wörtlich ‘Fleischwerdung’. Die Lehre der Inkarnation, von der ‘Menschwerdung’ Gottes in Jesus Christus.“ (Prof. A. Rosenbaum)

Der Autor dieser Zusammenstellung ist überzeugt, dass es Inkarnationen und Reinkarnationen im indischen Sinne gibt. Der Autor lehnt sich an die Vorstellungen von Pythagoras an, bei der „die zwangsläufige Vergeltung der Tat (Karma) eines früheren Lebens nicht zwangsläufig bearbeitet werden muss“. (Reinkarnation-Baba Bathra 91a vom Talmut Bawli Vortrag 1976)

Pythagoras verlässt die „Zwangsläufigkeit“ und spricht dem Menschen einen freien Willen in der Bearbeitung der eigenen Reinkarnationen zu.

Reinkarnation mit der Karma-Lehre ist nach meiner Ansicht eine andere Form der Sünden- und Straftheologie. Welche größtenteils von der „christlichen Kirche“ und von „christlichen“ Sekten vertreten wird.

Friedrich Weinreb beschreibt in „Wie sie den Anfang träumten“ eine Reinkarnation eines Menschen in ein Tier. Also eine Reinkarnation zurück auf eine „primitivere Stufe“.

Dem „geistigen Weg“ (MARA) entsprechend ist jeder Lernprozess ein Weitergehen auf seinem Weg, dem Weg zu seinem Selbst. Das Selbst ist im MARA-Denkmodell dem Menschen kaum zugänglich, da es durch Verwicklungen, also Außeneinflüsse verdeckt wurde. Im MARA-Denkmodell nennen wir solche Verwicklungen Parasigien (alte Verwicklungen) und Herisigien (junge Verwicklungen).

Ein Rückwärts gehen ist nach dem MARA-Denkmodell nicht möglich.

Deswegen kann es nach dem MARA-Denkmodell Reinkarnation nur im Sinne von zurückkommen - wiederkehren - Wiederverkörperung in Verbindung mit Weiterentwicklung, also Vorwärts gehen geben.

Reinkarnation

Zu Beginn ein Bericht des Psychologen Bloxham, auf den sich die meisten Reinkarnationstherapeuten berufen. Diese und ähnliche Berichte werden als Begründung für die psychotherapeutische Wirkung von Rückführungen in ein früheres Leben gehandelt:

Zu ihrer frühen Kindheit hat der englische Psychotherapeut Arnall Bloxham die hypnotisierte Frau auf seiner Couch schon zurückgeführt. „Gehen Sie weiter zurück!“, weist er Jane Evans an, und stockend, stöhnend, mit gepresster Stimme schildert die walisische Hausfrau, Jahrgang 1939, ihre eigene Geburt. „Weiter zurück.“ Jetzt findet sie sich wieder als Embryo in der warmen, engen Geborgenheit des Mutterleibes.

„Noch weiter.“ Dunkel, Stille, berichtet Jane. Dann „sieht“ sie wieder. Im englischen York lebe sie nun, murmelt sie, immer noch in tiefer Trance. Im Jahr 1189. Rebecca heiße sie, ihr Mann sei ein wohlhabender jüdischer Geldverleiher namens Josef.

Im York des ausgehenden 12. Jahrhunderts lebten Juden gefährlich: Der religiöse Fanatismus der Christen vor dem Dritten Kreuzzug gipfelte 1190 in antisemitischen Ausschreitungen, bei denen 150 Yorker einen grauenvollen Tod fanden.

Dazu passen „Rebeccas“ Erzählungen. Von Anfang an macht sie sich große Sorgen, wie der verbreitete Judenhass sie und ihre Familie treffen könne. Voller Bitterkeit schildert sie zahlreiche Demütigungen und Erniedrigungen, die sie hinnehmen müsse.

Eines Abends dringt bewaffneter Pöbel in das Judenviertel ein, bringt mehrere Bewohner um und steckt Häuser in Brand. Als das Nachbarhaus in Flammen aufgeht, fliehen Rebecca, Josef, die Tochter Rachel und der Sohn. Den Mob dicht auf den Fersen, suchen sie erschöpft und verzweifelt Schutz in einer christlichen Kirche außerhalb der Stadttore. Den Priester, der sich ihnen entgegenstellt, fesseln sie, verstecken sich in der Krypta unter dem Altar und kauern frierend, in Todesfurcht, aneinander.

Sie haben Hunger und Durst. Schließlich gehen Josef und sein Sohn los, um etwas zu essen aufzutreiben. Jetzt mischt sich panische Angst in Rebeccas Stimme, denn in ihrem Versteck hören sie und Rachel das Hufeschlagen von Pferden, die immer näher kommen.

Bloxham:
„Ihr Mann und Ihr Sohn kommen hoffentlich bald zurück?“

Rebecca:
„Ja, sie müssen zurückkommen, sie müssen zurückkommen - wir machen uns Sorgen, wir haben Angst. Wir hören die Pferde, wir hören das Gebrüll: Verbrennt die Juden, verbrennt die Juden.“

-Pause-
„Wo ist Josef? Warum kommt er nicht wieder, warum kommt er nicht wieder?“

-Pause-
dann fast schreiend:
„Mein Gott, sie kommen - sie kommen - Rachel weint - weine nicht, weine nicht, weine nicht.“
-Pause-
„Oh, sie sind in die Kirche eingedrungen, der Priester ist losgebunden, und sie kommen herunter.“
-Ihre Stimme überschlägt sich vor Entsetzen:-
„Oh nein, nicht Rachel, nicht, nicht Rachel!“

(Wälzt sich auf der Liege, schreit, wirft den Kopf wild hin und her.)
„Nein, lasst sie los, nicht, nicht, nicht Rachel, nein, nein, nein nehmt Rachel nicht mit nein, tut ihr nichts!“
Bloxham (entsetzt):
„Sie werden sie doch nicht mitnehmen?“

Rebecca mit vor Schmerz gebrochener Stimme:
„Sie haben Rachel mitgenommen, sie haben Rachel mitgenommen.“
Bloxham:

„Sind sie unversehrt? Ihnen hat man doch nichts getan?“
-Schweigen-
Bloxham:
„Geht es Ihnen gut? Sie haben Sie verlassen, nicht wahr?“

Rebecca:
„Dunkel, dunkel.“
Als Jane Evans das Behandlungszimmer verlässt, wird sie ohnmächtig.“

Zu den eindrucksvollsten Fällen gehört die Aufzeichnung des „Falls Rebecca“.

Dieser Fall wurde ausgewählt aus einer Sammlung von 400 Tonbandaufzeichnungen, in denen Bloxham 20 Jahre lang fest hielt, was ihm Patienten im Verlauf „hypnotischer Regressionen“ (lat.: regredi = zurückgehen) über vermeintliche frühere Leben schilderten.

Ähnliche Beobachtungen machten seit den fünfziger Jahren englische und amerikanische Psychologen wie A. Canon, Loring Williams, Edith Fiore, D. Suthphen, Helen Wambach und das Ehepaar Joan Grant und Denys Kelsey.

In Trance zurückgeführt, schildern zahlreiche Klienten in allen Einzelheiten vormalige Existenzen, oft in weit zurückliegenden Zeiten an entfernten Orten, fast immer begleitet von heftigen Gefühlen, dramatischen Verhaltensänderungen und einer vollständigen Identifikation mit dem „einstigen Selbst“. Ihre Symptome klingen ab oder verschwinden ganz, sobald sie diese „Erinnerungen“ ihrem Wachbewusstsein eingliedern.

Aus diesem Datenschatz schöpft die „Reinkarnationstherapie“ bis zum heutigen Tage ihre Grundtheorie.

Dazu ein Zitat aus Wambach, Helen: reliving past lives. New York, 1978:

„In psychischen Problemen unseres gegenwärtigen Lebens können frühere Inkarnationen traumatische Spuren hinterlassen haben: insbesondere unbewältigte Extremerfahrungen von schwerer Krankheit und tragischem Verlust, von Kriegsgräueln, Zwang, Gefangenschaft und Folter, vor allem vom eigenen Tod. Erfahrungen, die wir ‘mitnehmen’. Sie lösen sich auf, sobald ihre Wurzeln ‘retrokognitiv’, rückschauend aufgedeckt und bewusst aufgearbeitet werden. Irrationale Ängste und Schuldgefühle verschwinden, das Selbstvertrauen wächst. Phobien und chronische Schmerzen, Allergien und Übergewicht, Epilepsie und Alkoholismus, vorzeitige Ejakulation, Impotenz und Frigidität sollen so bereits hunderttausendfach erfolgreich behandelt worden sein.

„Bisher fürchtete ich mich vor Wasser“, berichtet ein Patient Helen Wambachs, „aber seit ich erlebt habe, wie ich in einem vergangenen Leben ertrunken bin, fürchte ich es nicht mehr“. „Ich hatte Angst vor Pferden“, bekennt ein anderer, „und wusste nicht, warum. Jetzt, da ich weiß, dass ich in jenem Leben im 18. Jahrhundert von einem Pferd getreten und getötet worden bin, verstehe ich es besser.“

Wambach, Helen: reliving past lives. New York, 1978, 2. Auflage München 1984

Heute werden beinahe alle Begründungen für eine erfolgreiche Reinkarnationstherapie mit Hinweis auf die Aufzeichnungen von Arnall Bloxham dargestellt.

Edith Fiore kam in umfangreichen Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen.

„Sie schildert den Fall einer frigiden Frau, die an Migräne litt: Im vergangenen Leben war sie mit einem Knüppel angegriffen, auf den Kopf geschlagen und vergewaltigt worden. Ein übergewichtiger Mann mit einer Allergie gegen Hühnerfedern sei im früheren Leben Matrose gewesen. Als die Schiffsbesatzung auf einer langen Reise Hunger litt, stahl er ein Huhn, das den Offizieren gehörte, und verspeiste es, wofür er hart bestraft wurde. Sexuelle Unverträglichkeit zwischen zwei Eheleuten ‘le’ Sutphen ‘auf’: Jahrhunderte zuvor hatte der Mann dieselbe Frau geschändet und auch ihren Tod verursacht. Die Erfolgschroniken der ‘Reinkarnationstherapie’ füllen inzwischen Regalwände.“

Netherton, Morris/Shiffrin, Nallcy: past lives therapy. New York, 1978; dt.: Bericht vom Leben vor dem Leben. Reinkarnationstherapie, Bern/München 1979

Der Münchner Psychotherapeut und Autor Thorwald Dethlefsen verhalf der Reinkarnationstherapie zum Durchbruch, nachdem ihm im Juni 1968 ein „Schlüsselexperiment“ „die Augen öffnete“: In Trance fand sich bei ihm ein 25-jähriger Ingenieur als ein gewisser Guy Lafarge wieder, der -1852 geboren- im Elsass lebte, Gemüse verkaufte und als Stallknecht 1880 starb.

Detlefsen Buch „Das Leben nach dem Leben“ (1976, gibt seitenlang Sitzungsprotokolle Wort für Wort wieder. Zwei Jahre später folgte das Buch „Das Erlebnis der Wiedergeburt“, das schon im Untertitel „Heilung durch Reinkarnation“ verheißt.

Dethlefsen Thorwald: Das Leben nach dem Leben. Gespräche mit Wiedergeborenen. 1974, 5. Auflage München 1986

Was alle Reinkarnationstherapeuten bis jetzt ans „Tageslicht“ brachten, war durch gesicherte Fakten nur wenig nachweisbar. Sicher liegt darin der Grund, dass sich rasch Nachahmer fanden.

„Du kannst in wenigen Sitzungen Deine Probleme an der Wurzel auflösen“,

verspricht etwa ein „Swami Prabhu Samarpito“ aus dem pfälzischen Frankenthal, mit bürgerlichem Namen Gerd Baldauf, promovierter Mediziner, im Spirituellen Adressbuch 86/87.

„Für diese Therapie brauchst Du nicht an das frühere Leben zu glauben. Statt dessen wirst Du Dich erinnern. An allen Schmerz, an allen Hass, an alle Schuld, die Du durch Jahrtausende gesammelt hast. Du wirst Dich davon lösen und verabschieden und es wird Dich nicht mehr als Angst, Depression, Einsamkeit, Erfolglosigkeit, Hoffnungslosigkeit verfolgen.“

93% der Bewohner der Bundesrepublik glauben, dass es „Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, denen die herkömmlichen Wissenschaften nicht beikommen“; so die Demoskopen der Dortmunder Gesellschaft für Sozialforschung („Forsa“), als sie im April 1986 tausend repräsentativ Ausgewählte über ihre Einstellung zum Übersinnlichen befragten. 45% wollen schon einmal Erlebnisse gehabt haben, „die sich nicht mit dem Verstand erklären lassen.“

Acht von zehn halten es für „möglich“, schon einmal gelebt zu haben. Ein großes Potenzial für all diejenigen, die meinen, ein gutes Geschäft mit dem Nichtbeweisbaren machen zu können.

Reinkarnation im Neuen Testament

Im Neuen Testament gibt es viele Stellen, die sich auf das Phänomen der Wiedergeburt beziehen, die aber kaum beachtet oder absichtlich nicht als solche interpretiert werden. Sobald wir nach Hinweisen in den christlichen Religionen fragen, taucht natürlich sofort die Frage auf, ob Reinkarnation überhaupt etwas mit „Glaube“ zu tun hat. Handelt es sich dabei um „Glauben“ an Reinkarnation oder an Inkarnation? Was verstehen wir im christlichen Weltbild unter Glaube?

„Müssen wir glauben, was wir nicht wissen können?“ Calwer Theologische Briefe 4/89

Der Name Glaube geht zurück auf das mittelhochdeutsche gelouben. Oder gotisch galaubjan, oder germanisch ga-laubjan „für lieb halten, gut heißen“. Schon bei den heidnischen Germanen bezog sich das „Glauben“ auf das freundschaftliche Vertrauen eines Menschen zur Gottheit. Nach der Christianisierung drückte es dann wie lateinisch credere und griechisch pisteuein das religiöse Verhalten des Menschen zum Christengott aus. Glauben wird auch gebraucht als „für wahr halten“ und „annehmen“, „vermuten“. (Duden Etymologie)

Bei Weinreb finden wir die Beschreibung: „Glaube ist wissendes Vertrauen“

Friedrich Weinreb: Die heilige Schrift und die Zahl. Zürich, 1979

Reinkarnationsglaube war in den frühen christlichen Gemeinden noch selbstverständlich, bis er im Jahre 553 durch das zweite Konzil von Konstantinopel zum ersten Mal zum Irrglauben erklärt und aus der christlichen Verkündigung und dadurch aus dem christlichen Lehramt verbannt wurde.

Schon im Alten Testament lassen sich deutliche Beispiele für den Glauben an die Wiedergeburt der Seele in einem anderen Körper erkennen. „Im Buch Jonah sind Strafinkarnationen in Rinder, wie auch von einer Wiederverkörperung Nimrods beschrieben.“

Friedrich Weinreb: Die heilige Schrift und die Zahl. Zürich, 1979

Friedrich Weinreb erklärt den jüdischen Begriff der Gottseele „Nschamah“ als das in allen Menschen gleich vollkommene Göttliche, aus dem von Zeit zu Zeit mal diese, mal jene Charaktereigenschaft hervortrete.

Friedrich Weinreb: Das Buch Jonah. Zürich, 1970

In Meyers Konversationslexikon von 1907 heißt es zur „Reinkarnation im jüdischen Talmud“:

„Die Juden zur Zeit Christi glaubten ziemlich allgemein an die Seelenwanderung. Die Talmudisten nahmen an, Gott habe nur eine bestimmte Anzahl von Judenseelen geschaffen, die daher immer wiederkämen, solange es Juden gäbe, bisweilen auch zur Strafe in Tierkörper versetzt, am Tage der Auferstehung aber alle gereinigt seien und in den Leibern der Gerechten im gelobten Lande aufleben würden.“

Schließlich endet das Alte Testament sogar mit einer Prophezeiung, welche die Wiedergeburt Elias (um 870 v. u. Z.) ankündigt: „Siehe, ich sende Euch den Propheten Elia, ehe der große und furchtbare Tag des Herrn kommt.“ (Maleachi 4,5).

Ein paar Jahrhunderte später erscheint dem Zacharias ein Bote und verkündet ihm die Geburt eines Sohnes: „Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhört worden, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. Und du wirst voll Jubel und Freude sein, und viele (!) werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn, und Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und mit dem heiligen Geist wird er erfüllt werden schon im Mutterleib an. Und viele von den Söhnen Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, zurückbringen; und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, um die Herzen der Väter zu den Kindern zurückzubringen.“ (Lukas 1,I3-17)

Auf die Fragen der Jünger erklärt Jesus später ausdrücklich, dass Johannes der Täufer Elia war: „Dieser ist‘s, über den geschrieben steht: ‘Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird’. Wahrlich ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer. Doch der Kleinste im Reich der Himmel ist größer als er. Denn alle Propheten und das Gesetz haben auf Johannes hin geweissagt, und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der kommen soll.“ (Matth. 10, 10—I4)

Wo Johannes seine Jugendzeit verbracht hat, wo er also ausgebildet wurde, erfahren wir nicht. Bei Lukas steht der Satz: „Der Knabe aber wuchs heran und ward stark im Geiste. Er lebte in der Wüste bis zu dem Tage, da er vor Israel erscheinen sollte.“ Luk. 1,80)

Jesus fragt an einer anderer Stelle seine Jünger:

„Für wen halten die Leute den Sohn des Menschen? Da sagten sie: Etliche für Johannes den Täufer, andere für Elia, noch andere für Jeremia oder einen Propheten. Er sagte zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Gesalbte, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Matth. 16, 13-16)

Die Jünger fragen Jesus: „Warum sagen nun die Schriftgelehrten, zuvor müsse Elia kommen? Er aber antwortete und sprach: Elia soll zwar kommen und wird alles herstellen; ich sage euch aber: Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Sohn des Menschen durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er zu ihnen von Johannes dem Täufer redete.“ (Matth.17, 10-13)

Nach den Evangelientexten bestätigt also Jesus selbst, dass die Seele des Elia als Johannes inkarniert wurde. Elia versuchte den Monotheismus am Königshof durchzusetzen und lehrte, dass sich Gott nicht in Gewalt und Vernichtung offenbart, sondern in einem leisen „Säuseln“, also in Langmut und im stillen Wirken.

Elia ist ein typischer Wanderprediger, kleidet sich in Lumpen, wird auf wunderbare Weise ernährt, tut selbst Wunder wie die Vermehrung von Speisen und Auferweckung von Toten, hat einen Salbungsauftrag, spricht davon, dass er gesandt worden ist, und sammelt eine große Schar von Jüngern um sich. Schließlich verschwindet er wieder auf mysteriöse Weise (Himmelfahrt), wird von fünfzig Männern drei Tage lang gesucht, kann aber nirgends mehr aufgefunden werden.

R. Bultmann: Exegetica. Aufsätze zur Erforschung des Neuen Testaments, ausgewählt, eingeleitet und Hrsg. v. Erik Dinkler, Tübingen, 1969

Prof. Moltmann zitiert folgendes Beispiel bei seinem Vortrag („Mytologisierung“ am 13.11.1976 Ev. Akademie Tutzing):

„Die Jünger Jesu wissen, dass Jesus eine Inkarnation ist, bleiben aber über die Identität im unklaren und stellen einige Spekulationen an.“ Jesus selbst nimmt dazu keine Stellung. Bestätigt aber die Annahme seiner Jünger indirekt, indem er sie ermutigt, weiterzuraten: „Aber wer sagt ihr, dass ich sei“

Bei der Erzählung vom Blindgeborenen, den Jesus heilen soll (Joh.9), fragen die Jünger ausdrücklich „Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist“. Schon die Frage, ob jemand wegen seiner eigenen Sünden als Blinder geboren werden kann, setzt selbstverständlich ein vorhergegangenes Leben und die darauffolgende Wiedergeburt voraus.

Hinweise dazu sind auch in der Beschreibung Kapitel 6 „Psychosomatik“ zu finden. Außerdem beinhaltet die Frage natürlich auch den Gedanken des Karma, bei dem die Taten eines vorhergehenden Lebens sich auf das darauffolgende Dasein auswirken.

Auch im dritten Kapitel des Johannes-Evangeliums begegnet man schon dem Gedanken der Reinkarnation so deutlich, dass keine andere Interpretation möglich ist. Als Jesus dem Pharisäer Nikodemus begegnet, begrüßt er diesen Obersten der Juden mit folgenden Worten: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Nikodemus, der offensichtlich keine Ahnung von der Lehre der Wiedergeburt hat, fragt erstaunt zurück: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“

Darauf antwortet Jesus dann angeblich: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Joh. 3, 4 und 5)

Holger Kersten: Jesus lebte in Indien, 1983

Schon um das Jahr 1900 hat der Amerikaner James Morgan Pryse eine ganze Reihe von Hinweisen auf die Reinkarnationslehre im Neuen Testament gegeben.

Pryse beschreibt das so:

„Die Lehre von den fundamentalen Erkenntnissen der Antike setzt sich über die Lehren der alten Philosophen ganz selbstverständlich im Neuen Testament fort. Die Wesensgleichheit des spirituellen Prinzips im menschlichen Dasein mit dem spirituellen Prinzip des ganzen Universums Mikrokosmos/Makrokosmos) sagt aus, dass der Mensch alle Elemente, Kräfte und Prozesse des Kosmos materiell und im göttlichen Sinne in sich trägt und diese immer wieder lebt.“

J. M. Pryse: Reinkarnation im NT, Ansata Verlag, 1980

Das von J. M. Pryse beschriebene spirituelle Prinzip des Kosmos beschreibt der deutsche Physiker Burkhard Heim als „höhere Dimensionen“, den sog. „Transbereich“ jenseits unserer Realität).

Er sagt: „Im ‘Transbereich’ existieren geistige Strukturen, die einerseits von der realen Welt beeinflusst werden, umgekehrt auch diese beeinflussen.“

Burkhard Heim: Realitäten. München 1990, Seite 157

Im MARA-Denkmodell verwenden wir den Begriff „Holistisches System“ mit denselben Inhalten, wie es „das spirituelle Prinzip“ von Burkhard Heim hat.

Diese Erkenntnisse zeigen die geistige Einheit aller Wesen und betrachten die Natur als nicht von Gott getrennt. Sie verdeutlicht, dass das Göttliche in allem und durch alles ist, zu jeder Zeit, im kleinsten Teil des Universums. Max Planck hat in einem Kurzvortrag seine Sichtweise dargestellt. Dieser Vortrag ist unter der Abteilung Psychosomatik zu finden.

Der Mensch ist in seiner physischen Gestalt eine Manifestation aus dem Bereich der grenzen- und zeitlosen spirituellen Einheit, dem holistischen System. Dieses System materialisiert sich in verschiedenen Erscheinungsformen u.a. auch im Menschen.

Das eigentliche und ursprüngliche Sein ist ewig unveränderlich, dagegen sind die Natur - oder das Universum - mit all seinen Manifestationen ein sich ständig veränderndes Werden.

Somit ist die Seele - oder der Geist - des Menschen im tiefsten Bewusstsein unvergänglich und in ihrem ständigen Kommen und Gehen (Reinkarnation) einer ununterbrochenen Folge von Ursachen und Wirkungen ausgesetzt.

Um schließlich zum holistischen System mit der Ausprägung in seinem Sein zurückzukommen, muss der Mensch sich dieses Prinzips bewusst werden und durch sein TUN die Überwindung der einseitigen materiellen Orientierung erreichen.
(MARA Psychosomatik 1995)

So oder ähnlich kann man jedenfalls die Lehre der Reinkarnation in wenigen Worten zusammenfassen. „Durch Wissen, Erkenntnis, Meditation, Askese, Versenkung, Entsagung usw. ist es möglich, die engen Schranken der Körperlichkeit schon auf Erden zu überwinden und sich seiner göttlichen Natur bewusst zu werden.“

Dieses Ziel formuliert der Matthäustext so: „Der Mensch soll vollkommen sein, wie es auch sein himmlischer Vater ist.“ (Matth. 5,48).

Der Weg führt über viele Wiedergeburten, bis der Mensch zur vollen Gotteskindschaft erwacht ist und Werke tut, wie sie auch Jesus getan hat. „Glaubet mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet es doch um der Werke selbst willen. Wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke, die ich tue, auch tun und wird größere als diese tun.“ (Joh. 14, 11 u. 12)

Holger Kersten: Jesus lebte in Indien. 1983, S. 148

Umfangreiche Darstellungen in: Stephan Horn: Psychologische Blätter 89, S.13 „Skeptiker beeindrucken die dokumentierten Fälle von Reinkarnationserlebnissen wenig.“ W.G.: „The changing perspective on life after death“, S. Krippner (ed.): advances in parapsychologica research 3. New York, 1982, Seite 147-291

1. Täuschung:

„Führt die Aussicht auf Geld, Publizität und Prestige einen Therapeuten nicht arg in Versuchung, den Verlauf seiner „Regressionen“ zu schönen? Verschweigt ein Patient, dass er sich eingehend über die Epoche kundig gemacht hat, die er dem Therapeuten ausmalt? Persönlichen Begegnungen mit erfolgreichen Reinkarnationstherapeuten hält ein pauschaler Betrugsverdacht allerdings nicht stand. Und oftmals existieren schlicht keine historischen Quellen, die ihnen oder ihren Patienten zugänglich gewesen wären; erst mühsame Recherchen bringen sie nachträglich ans Tageslicht. Für Tausende von Verstorbenen aus allen Epochen detailgetreue Biografien aus dem Stegreif zurecht zu spinnen, würde selbst einen Geschichtsprofessor hoffnungslos überfordern.“

Stevenson, lan: twenty cases suggestive of reincarnation. Charlottesville, 1974, S.98 ff.

2. Kryptomnesie:

„Verarbeiten ‘Zurückgeführte’ nicht einfach Informationen, die sie durchaus in diesem Leben aufgenommen, deren Herkunft sie inzwischen aber vergessen haben? Mit solchen „Quellenamnesien“ (gr. ‘krypto’: geheim, verborgen; ‘mneme’: Gedächtnis) kämpfen wir Tag für Tag.“ Dass sie Wiedergeburtserlebnisse erzeugen können, fand der amerikanische Psychiater Edwin S. Zolik schon 1956.

Zolik E.S.: journal of clinical psychology. 14/1958, S.48 ff.

„Hypnotisch ‘zurückversetzt’, fand sich eine seiner Versuchspersonen im Jahre 1875 als ein gewisser Dick Wonchalk wieder, der ohne Freunde allein am Fluss lebte, mit einem Kleinkalibergewehr jagte und gelegentlich, wenn es kalt war, in Kneipen saß. In seiner ‘früheren Existenz’ starb er 1876, 26-jährig, nachdem er zuvor einen Monat lang schwer krank gewesen war und sich niemand um ihn gekümmert hatte.“

Sorgfältig recherchierte Zolik, dass diese Angaben tatsächlich aus einem Film stammten, den der „Rückgeführte“ gesehen hatte. „Die Misere der Hauptperson des Films“, die ihre Eltern bei einem Überfall von Indianern verloren hatte, „führte zu einer starken emotionalen Identifizierung“. Denn Zoliks Proband hatte sich selber seit seiner Kindheit von seinen Eltern isoliert gefühlt; seither quälten ihn Ängste, „allein zu sein, von den Menschen nicht akzeptiert“ und „irgendwie vergessen“ zu werden.

Die Reinkarnationsphantasie setzte er als Mittel ein, um darzustellen, wie er sein jetziges Leben empfand.

Dass „Kryptomnesien“ gelegentlich vorkommen, beweist freilich noch lange nicht, dass sie stets beteiligt sind. Für die meisten „Regressionserlebnisse“ existieren überhaupt keine Quellen - oder sie waren dem „Rückgeführten“ nachweislich zeitlebens unzugänglich.

3. Entsteigen

„Entsteigen ‘frühere Leben’ vielleicht einer genetischen Erinnerung: einem ‘Generationsgedächtnis’, das irgendwie im Erbgut speichert, was Ahnen erleben, und auf ihre Nachkommen überträgt, die sie dann mit eigenen Erlebnissen verwechseln? Im genetischen Code weitergegeben werden aber nie Lerninhalte, sondern immer nur Lernpotenzen, offene Programme der Informationsverarbeitung.“

Wilson, lan: mind out of time7 reincarnation claims investigated. London, 1981

Im MARA-Denkmodell gehen wir von einer holistischen Ebene aus, auf welcher alle Informationen jederzeit zugänglich abrufbar sind.

MARA-Psychosomatik, 1995

4. Außersinnliche Wahrnehmung ASW:

Das, was in der Parapsychologie ASW bezeichnet wird, ist deswegen als Bezeichnung nach dem MARA-Denkmodell nicht möglich, denn alle Wahrnehmungen sind an unsere Sinne gebunden. Deswegen kann es niemals Wahrnehmungen außerhalb unserer Sinne geben. Es muss besser formuliert heißen: „für die Sinne ungewohnte Wahrnehmungen“. (MARA map 1995)


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