Margot & Rainer Binder: Beschreibungen und Grundlagen des MARA-Denkmodells
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Die Vergangenheit ist der Hemmschuh für die Entwicklung?
(Verwicklung-Entwicklung)

Zuerst wenige Beschreibungen von Erlebnissen, die zeigen, wie durch eine „Umorientierung“ des Gelernten Erfolg entstehen kann.

Als ich in meiner früheren Tätigkeit im Forschungslabor einer Glühlampenfabrik arbeitete wurde ich das erste Mal in meinem Leben mit einem Denken konfrontiert, was mein ganzes Leben stark veränderte und nachhaltig beeinflusst hat. Bis heute, also 43 Jahre nach diesen Erlebnissen ist es noch ein wichtige Erfahrung von mir, die ich immer noch nutze.

Wir fanden uns zu der allmorgendlich stattfindenden Laborbesprechung ein und der Leiter der Forschungsabteilung berichtete von einer neuen Aufgabe. „Wir werden Blitzlampen, die mit Magnesiumfolie gefüllt sind, in Kürze nicht mehr herstellen können, denn die Magnesiumfolienhersteller sind in einem Alter, so dass sie nur noch eine kurze Zeitspanne arbeiten können. Wir brauchen eine neue Lösung ohne Magnesiumfolie.“ Immer wieder kam dann der gleichlautende Spruch des Forschungs- und Entwicklungsleiters: „Meine Herren unternehmen sie alles was nicht zum Erfolg führen kann; wir entlassen jeden, der sich an alten Forschungs- und Entwicklungsunterlagen orientiert“. Das bedeutet praktisch neue Gedanken durch Kreativität.

Zum Verständnis: Die Magnesiumfolie wurde in Augsburg von Gold- und Silberblattschlägern von Hand hergestellt, das heißt, die Metalle wurden zwischen Lederhäuten mit dem sogenannten Treibhammer solange geschlagen, bis eine hauchdünne Folie übrig blieb. Wir alle kennen mit Blattgold vergoldete Bilderrahmen und Figuren. Dieses Blattgold wurde mit derselben Methode hergestellt.

Wir hatten alle Freiheiten im Labor, wir konnten basteln, illustrierte Zeitungen lesen u.w.m.. Einer unserer Bastler kam auf die Idee ein Saalflugmodell zu bauen. Da diese Flugmodelle nur ca. 1,5 Gramm mit Gummimotor wiegen dürfen, wurde für die Bespannung der Flügel eine Colodiumlösung verwendet, die auf Wasser getropft wurde. Beim Auftreffen auf das Wasser bildete sich ein hauchdünner Film, der dann auf den Balsaholzspan, der zur Flügelform gebogen wurde, aufgeklebt wurde. Beim Herstellen dieses Films tauchte die Idee auf, Magnesiumpulver auf den Film zu streuen um nach dem Trocknen diesen dann in die Blitzlampe zu bringen. Schon nach wenigen Versuchen war eine neue Blitzlampe geboren, die anschließend viele Jahre produziert und erfolgreich verwendet wurde.

Noch ein Beispiel. Die Brenndauer von Glühlampen wurde in erster Linie von der Sauberkeit des Vakuums in der Glühlampe bestimmt. Zu dieser Zeit war an der Glühlampe, dort wo sich der Sockel befindet, ein Glasröhrchen, durch das die Luft aus der Glühlampe gepumpt wurde. Verwendet wurde dazu eine sog. Quecksilberdampfstrahlpumpe. Das Hauptproblem war die Gummimuffe. Sie sollte das Glasröhrchen luftdicht abdichten.

Die neue Idee war, in das Glasröhrchen eine Injektionsnadel zu stecken und durch diese dann Ammoniakgas zu blasen und zwar solange bis sich kein Sauerstoffion mehr in der Lampe befand. Durch sogenanntes „Spülen“ mit Gas wurde dann der Sauerstoff völlig aus der Vergasungsanlage „herausgespült“. Auf Glühlampen angewendet, brachte diese Methode Einsparung von Quecksilber, Quecksilberpumpen und Dichtungsringe. Die Produktionskosten wurden dadurch um ein Drittel gesenkt.

Also in beiden Beschreibungen war als Problemlösung keine Methode genutzt, die theoretisch und nach bisherigen Erfahrungen erfolgreich sein konnte.

Natürlich kann aus diesen Beispielen nicht geschlossen werden, dass wir ohne jede Vergangenheit auskommen können. Alle Ereignisse, die wir erleben, können nur vor dem Hintergrund dessen, was wir schon alles erlebt haben, in unser Bewusstsein kommen.

Was bedeutet die Übertragung dieser Erfahrungen auf den Lebensweg des Menschen? Konservativ betrachtet, entstehen bereits von der Zeugung an psychische Einflüsse auf den sich allmählich entwickelnden Menschen.

Im MARA-Denkmodell bezeichnen wir diesen Vorgang als „Verwicklung“.

Bei der Geburt des Menschen hat der Mensch schon eine lange „geistige Wegstrecke“ zurückgelegt und auch noch Zugang zu dem in ihm gespeicherten „Wissen“. Der Quantenphysiker Jean E. Charon beschriebt in seinem Buch „Der Geist in der Materie“ (1) :

„Meine Arbeiten scheinen gezeigt zu haben, dass man noch weiter gehen muss, und zwar bis auf die Ebene der Elementarteilchen hinunter, jener wahrhaft elementaren (das heißt; nicht mehr zerlegbaren) Teilchen, mit denen sich die moderne Physik beschäftigt. (Chemisches Atom - Prof. Dr.H.P. Dürr) Es wären demnach nicht die Chromosomen sondern jedes einzelne der physikalischen Partikel, aus denen diese bestehen, Träger der Gesamtinformation des betreffenden Individuums. Es ist sogar möglich (ja wahrscheinlich), dass die Gesamtinformation auch in all jenen Elementarteilchen enthalten ist, aus denen sich die übrigen Teile der Zelle (wie Kern, Zytoplasma der Zellmembran) zusammensetzen, und nicht nur in den Chromosomen selbst.

Das heißt natürlich nicht, dass ein solches Partikelchen unseres Körpers sich hinsichtlich des Informationsgehalts in nichts von seinem Nachbarn unterscheidet. Natürlich hat schon wie wir sagten, jedes einzelne Teilchen eine „Geschichte“, die bis in die Anfänge des Universums zurückreicht; daraus folgt, dass jedes Teilchen eine andere Erfahrung durchlebt hat als das Nachbarteilchen, bevor sie beide in die komplexe Struktur dieses Organismus eingingen.

Tod, das ist also deine Niederlage! Wenn wir unserem Ich den Stellenwert einräumen, der ihm gemäß den neuesten Erfahrungen der Teilchenphysik zuzukommen scheint, so gibt es für uns keinen „richtigen“ Tod mehr- eben so wenig übrigens wie es keine „richtige“ Geburt gibt. Auf der Ebene des Geistes leben wir das Leben des Universums selbst mit. Aus diesem Grund können wir auch mit Hilfe der „kosmologischen Modelle“ der Physik- die die Evolution des gesamten Universums im Raum und in der Zeit beschreiben- am ehesten etwas über das Abenteuer der materiellen Hülle erfahren, die den Geist, unseren Geist, umschließt.“

Die Vorstellung, dass der neugeborene Mensch noch Zugang zu dem in ihm gespeicherten „universellen“ Wissen hat, lässt natürlich sofort die Frage auftauchen, „warum nutzt er dann dieses Wissen nicht?“

Die Anwendung dieses Wissens ist jedoch daran gebunden, inwieweit der neugeborene Mensch schon mit dem Umfeld kommunizieren kann. Da zu diesem Zeitpunkt die Sprache noch nicht ausgebildet ist, erfährt sein Umfeld wenig davon. Anders gesagt, wir projizieren bei der Betrachtung der Neugeborenen entweder unser eigenes „universelles Wissen“ oder den Wunsch noch Zugang dazu zu haben.

Mit diesen „Wunschvorstellungen“ beeinflussen wir den Neuankömmling und damit beginnt die Verwicklung des Selbst.

Unter dem „Selbst“ verstehen wir im MARA-Denkmodell eine seelisch geistige Dimension, die der Mensch in diese Welt, d.h. auf die materielle Ebene, mitbringt. Charon sagt „Ich“ dazu.

Also nach der Geburt erfolgt eine starke Beeinflussung des heranwachsenden Kindes, und es wird mehr und mehr in Programme eingebunden, die ihm Eltern und Mitmenschen aufgrund ihres Eingebundenseins in die „Pflichten“ und „Zwänge“ ihres Umfeldes mitgeben. Das Kind wird sozusagen in diese Bezüge „verwickelt“.

Das Selbst ist jedoch noch angeschlossen an das universelle Wissen und eingebettet in das holistische System (griech. to holon= „das Ganze“). Der Zugang zu diesem Wissen wird aber im Laufe der Zeit durch Verwicklungen erschwert und teilweise blockiert.

Die bedauerliche Folge davon ist, dass der erwachsene Mensch mit den Programmen der Eltern und den seine Kindheit bestimmenden gesellschaftlichen Strukturen versehen, mit eben diesen lebt und auf die Alltagssituationen reagiert. Seine Reaktionen haben selten mit dem Selbst zu tun und sind meist nicht Ausdruck universellen Wissens.

Noch ein für mich wichtiges Beispiel. Als Junggeselle lernte ich meine erste Frau kennen. Mein Vater war Beamter (Lehrer) und mein zukünftiger Schwiegervater auch Beamter (Pfarrer). Ich war sehr eng christlich und meine Braut auch. Die Verwicklungen unserer Kindheit passten sehr gut zusammen. Wir beide hatten keine Eltern, die den Kampf um den Arbeitsplatz kannten und dadurch sich eher dem gemütlichen Teil der Arbeitswelt und des Lebens zugewendet haben.

Das Sicherheitsdenken der ersten Ehe hatte mich von der Arbeit im Physiklabor zur Bewerbung für die Berufsberatung beim Arbeitsamt motiviert, wo ich dann auch 30 Jahre mit sicherem, unkündbarem Arbeitsplatz als Angestellter gearbeitet habe.

Durch diese Situation konnte ich sehr viele meiner Elterhausverwicklungen leben und war damit einigermaßen zufrieden. Die religiösen Sichtweisen von uns hatten sich sehr stark aus einander entwickelt. Die christlich bedingte Körperfeindlichkeit meiner ersten Frau war mit ein Grund für meine Suche nach anderen Lebensinhalten.

Erst meine Scheidung brachte Bewegung in das festgefügte Bild und durch das Kennenlernen meiner jetzigen Frau konnten wir zusammen erst das entwickeln, was wir heute das MARA-Denkmodell nennen. Meine jetzige Frau lernte ich als Kollegin kennen. Die wohl tiefgreifendste Verwicklung, die berufliche Sicherheit, konnte ich lösen, nachdem meine jetzige Frau und ich das unkündbare Angestelltenverhältnis durch einen Auflösungsvertrag beendeten. Die Kündigung der Arbeitsstellen vor 12 Jahren hatte zur Folge, dass kein festes Einkommen mehr vorhanden war und eine bedeutende Schmälerung der späteren Rente erfolgte.

Auch in diesem Fall zeigte sich, dass die Vorstellung meiner Eltern vom gesicherten Beamtenstatus nicht mehr zu meiner Weltsicht passte und deswegen geändert werden musste, also die „Programmierung“, die gleichzeitig „Eingrenzung“ bedeutete, musste gelöst werden, um mehr innere Freiheit zu erhalten.

Was ein derart „programmierter“ Mensch als Realität erlebt, ist in Wirklichkeit nichts anderes als die „Verwicklung“ aus seiner Kindheit. Die Tragik solcher Verwicklung ist, dass er gegen seinen Willen Programme erhält, also gewissermaßen wie ein Computer programmiert wird; das erfolgt zum größten Teil bereits bis zum Alter von drei bis vier Jahren.

Das, was wir als Individualität bezeichnen, ist meistens eine Folge der Verwicklungen. Um sich von den Programmen zu befreien und sie langsam aufzulösen, ist ein relativ hoher Einsatz an psychischer Energie erforderlich, doch nur auf diesem Wege gelangt der Mensch wieder näher an sein Selbst heran.

Leider verhält es sich so, dass die meisten Erwachsenen ihre eigenen Programme weitgehend unaufgelöst lassen und die Kinder mit diesen veralteten Programmen versehen.

Hierzu ein Beispiel: Mein Vater wurde 1901 geboren. Vier Jahre später waren die Grundprogrammierungen in ihm festgelegt. Da mein Vater wenig an seiner inneren Struktur arbeitete, brachte er mir die Programme bei, die eventuell 1905 noch zu verwenden waren. Das bedeutet, dass ich jetzt 1998, damit zurechtkommen müsste, wenn ich keine Abhilfe schaffe. Abhilfe in diesem Falle heißt: Auflösung der Verwicklungen.

Deutlich geht daraus hervor, woraus Probleme erwachsen können und wie Konflikte entstehen, die den Alltag belasten. Es ist leicht vorstellbar, dass ich 1998 mit „Programmen“ von 1905 nicht in der Lage sein kann, anforderungsgerecht zu reagieren und dadurch wäre zwangsläufig mein Misserfolg programmiert.

Es bietet sich daher nur eine Möglichkeit an, um unserem Selbst näher zu kommen: Wir müssen uns wieder „ent-wickeln“! Die praktische Bedeutung dieser Aufforderung liegt darin, daß wir alte Programme ändern, sie gewissermaßen hinauswerfen, ausmisten müssen, damit wir wieder uns selbst sein können.

Sich zu ent-wickeln geht nicht durch Müsli und Haferflockenessen, es geht auch nicht durch Weglassen der Fleisch-Nahrung.

Interessant ist, wie bei den Hopi-Indianern „Verwicklungen“ gelöst werden.

Bei den Hopi und einigen anderen indianischen Ureinwohnern nehmen die alten Männer den Jungen, wenn er 12 Jahre alt ist, mit, um ihn hinunter in den Bereich der Kiwa zu führen ( d.h. das sogenannte Werdehaus, die unterirdische Zeremoniekammer). Dort unten bleibt er sechs Wochen, und seine Mutter sieht er anderthalb Jahre lang nicht wieder.

In dieser Zeit wird der Junge von den älteren Männern angeleitet, „Mann“ zu werden, wieder zu seinem Selbst zu finden, die „Verwicklungen“ abzulegen.

Jeder Mensch verfügt über Möglichkeiten, mittels vieler kleiner Schritte, seine „Verwicklungen“ zu erkennen, um sie zu lösen. Solche Arbeit wird ermöglicht, sobald er wieder das universelle Wissen in sich aktivieren kann.

Die MARA-BPS-Anwendung ist eine Möglichkeit, den Kontakt zu seinem SELBST wieder herzustellen und dadurch Verwicklungen teilweise aufzulösen.

Wie schon gesagt, ist es wichtig, die Verwicklungen weitmöglichst aufzulösen.

An wenigen Beispielen möchte ich zeigen, wie entscheidend für die Lebens und Erlebensqualität es ist, die „Programmierungen“ der Eltern aufzulösen.

An dieser Stelle kommen sofort Fragen auf, wie „warum sollen nicht bestimmte Verhaltensmuster und Verwicklungen der Eltern erhalten werden?“

Ich verwende an dieser Stelle wieder eigene Erfahrungen und dadurch ausgelöste Erlebnisse.

Mich fasziniert das Fotografieren. Sicher bin ich ein Fotograf, der, wie mir immer wieder bestätigt wird, gute Fotos macht.

Mein Vater fotografierte mit einer Roleiflex-Kamera und er verwendete sog. „Photolux“-Lampen. Diese hatten eine spezielle Beschichtung, so dass sie ein weiches Licht abgaben.

Im vergangenen Jahr hatte ich den zweiten Fotokurs in meinem Leben besucht und es ging dabei um Blitzlichtfotografie. Unter anderem wurden wir in der Technik der Makrofotografie unterrichtet, also der Fotografie von extrem kleinen Ausschnitten von Blüten usw. Als Beleuchtung wurden spezielle Blitzgeräte verwendet. Meine Ergebnisse waren relativ schlecht ausgefallen, mindestens genügten diese Diapositive nicht meinen Ansprüchen.

Ich verwende für diese Art von Fotos zwei Diaprojektoren mit Halogenlampen sowie einem Farbkorrekturfilter vor dem Kameraobjektiv. Ich kann mit dieser Beleuchtungsmethode Lichtreflexe, die zu Lichtsternen werden, gezielt erzeugen.

Warum ist mir das möglich? Ich hatte nicht auf die Erfahrungen meines Vaters und auch nicht auf die des Seminarleiters zurückgegriffen. Die „neue Beleuchtungstechnik“ konnte nur dadurch gefunden werden, dass ich mich voll und ganz auf meine Impulse* verlassen habe und keine vorherige Erfahrung nutze.

Hätte ich auf meine Erfahrung (Verwicklung) meines Vaters zurückgegriffen, hätte ich mich einer Technik bedient, die nicht in unsere Zeit passt und dadurch wäre es nicht möglich die MARA-Mediaramen zu fotografieren.

Wichtig ist, dass die bessere Qualität der heutigen Aufnahmen nicht allein auf einem besseren Filmmaterial oder einer besseren Kamera beruht, sondern zu 90% durch meine Beleuchtungstechnik zustandekommt.

Anders gesagt, die jetzige Fotografie hat die früheren Erfahrungen meines Vaters „transformiert“. Betrachten wir diesen Aspekt unter dem Gesichtswinkel Charon, dann wurde neues Wissen dem universellen Wissen zugeführt, an dem auch andere Menschen, die fotografieren, teilhaben können.

*Unaufhörlich erhält der Mensch innere Impulse, die ihm zeigen, wie und wann er die Möglichkeit hat, in das System der Verwicklungen einzugreifen, um seine Ent-wicklung zu erreichen.

(1) Jean.E.Charon: Der Geist in der Materie. Ulstein, Sachbuch, Seite 39 ff


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